Nicolai und Götzinger – die ersten „Schweizführer“

Wer schonmal über die Basteibrücke gegangen ist, dem wird die schlichte Felsinschrift unter derP_20180111_132921_vHDR_Auto Erinnerungstafel für die Bastei-Jubelfeier sicher aufgefallen sein. Sie erinnert an Carl HeinrichOpera Momentaufnahme_2018-05-16_152150_upload.wikimedia.org Nicolai, Pastor in Lohmen und Wilhelm Lebrecht Götzinger, Pastor in Neustadt. Beide Herren gehörten zu den ersten, die Fremde durch die Sächsisch-Böhmische Schweiz führten und damit maßgeblich zur Entwicklung des Tourismus beitrugen. Götzinger kommt desweiteren das Verdienst zu, diese Gegend umfassend beschrieben zu haben. In seinem 1812 erschienenen Werk „Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz“ setzte er diesem herrlichen Fleckchen Erde ein literarisches Denkmal. Seine Beschreibungen waren so präzise wie bildhaft und trugen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen aus Dresden und Umgebung auf den Weg in die sogenannte Sächsische Schweiz machten. Das war in jener Zeit ein beschwerliches Unterfangen, gab es doch noch wenige Straßen und kaum massentaugliche Verkehrsmittel. Erst mit Eröffnung der Bahnstrecke durch das obere Elbtal im Jahre 1851 gelangten größere Personengruppen zu einigermaßen erschwinglichen Konditionen in die Region. Doch markierte Wege und Beschilderungen blieben noch einige Zeit Mangelware und die Ortskenntnis der meisten Besucher bescheiden. Es waren Fremdenführer wie C.H. Nicolai und W.L. Götzinger, die ihre Gebietskenntnis und ihr Wissen auf geführten Touren mit den Fremden teilten. Ihr Erfolg machte die Tätigkeit als sogenannter „Schweizführer“ (für Führungen zu Fuß), als Sesselträger oder als Saumtierführer interessant und führte in der Folge zur Etablierung eines regelrechten „Schweizführerwesens“ in der Region. Sachsen wäre nicht Sachsen und Deutschland nicht Deutschland, wenn diese Entwicklung nicht die Behörden auf den Plan gerufen hätte. Dieses „Schweizführerwesen“ musste dringend reguliert werden. Wie, darüber wird im nächsten Beitrag berichtet.

Am 23. April 2018 jährte sich Wilhelm Lebrecht Götzingers Todestag zum 200. Mal. Ehre seinem Andenken!

 

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