Unsere Schweizen – ein romantisches Phänomen?

Ja, wir sind stolz auf unsere „Sächsische Schweiz“ – und auf die Böhmische gleich mit. Sind es doch einzigartige Natur- und Kulturlandschaften in der Mitte Europas. Doch ist der Begriff „Schweiz“ auch so einzigartig? Die Bewohner der Eidgenossenschaft mögen jetzt vielleicht Schluckauf bekommen.

Die „Sächsische Schweiz“ ist ein Kunstgebilde, das manche auf die schwärmerische Erwähnung dieses pittoresken Felsgebirges durch den Schweizer Landschaftsmaler Adrian Zingg zurückführen. In einer anderen Überlieferung wird der Begriff einem preussischen General in den Mund gelegt. Wie auch immer: weder die Sächsische noch die Böhmische Schweiz sind topografisch, kultur- oder naturräumlich exakt abgrenzbar.

Die Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ berichtet von weltweit 191 Schweizen, die „Neue Züricher Zeitung“ sogar von 233. Laut Wikipedia befinden sich 106 Schweizen mitten in Deutschland. Die meisten mit 30 gibt es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Niedersachsen mit 18, Rheinland-Pfalz mit 13 sowie Sachsen und Thüringen mit jeweils 6. Die wenigsten Schweizen gibt es mit je 2 in Bremen, im Saarland, in Berlin und in Baden-Württemberg. Einsames Schlusslicht ist Hamburg mit einer einzigen Schweiz.

Die Verteilung der „Schweizen“ legt nahe, dass es sich bei allen so bezeichneten Gebieten um eine romantisierende Landschaftsbezeichnung handelt. Womit wir wieder bei der Sächsisch-Böhmischen Schweiz angelangt wären.

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